10. August 2015

Und immer schön Danke sagen

Ich halte mich selbst nicht für eine unhöfliche Person. Ich bin freundlich,  lächle viel und trete meinen Mitmenschen mit Respekt gegenüber.  Und trotzdem komm ich mit diesen ganzen "Thank you!" und "Excuse me!" nur langsam klar.

"Thank you!"
Man benutzt es einfach immer. Wenn du nicht weißt ob, sag es einfach. Es wäre mit Sicherheit erwartet worden und das auslassen würde dir auf jeden Fall übel nachgesehen. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt.  Das passiert ungefähr zur gleichen Zeit wie die Gewöhnung an den Linksverkehr.  Also nicht, dass ich jetzt Auto fahren würde,  ich laufe aber zumindest nicht mehr Gefahr beim überqueren der Straße überfahren zu werden.

"Excuse me!"
Man kann echt unverschämt sein, Leute an engen Wegpassagen ewig warten lassen, anrempeln oder schubsen,  solang man sich danach entschuldigt ist alles gut. Zumindest machen das die Londoner so. Dort bin ich dann auch gleich mit meinem Reisegepäck durch Menschenmassen geflitzt,  habe gestunken (klar,  nach dieser Hinfahrt)  und Leute zur Seite gedrängt, alles im Rahmen,  wenn man sich danach entschuldigt.  Am besten mit Blickkontakt und,  wenn man wie ich durch die Überfüllte Victoria rennt, am laufenden Band. Also: "Excuse me, excuse me, excuse me,  excuse me, excuse me...!"Es soll mal keiner sagen, ich würde nicht schnell lernen. In Totnes müsste ich noch niemanden anrempeln, aber es findet sich täglich dutzendfach eine Gelegenheit zum entschuldigen.
In London wird sich aber definitiv häufiger entschuldigt.  Insgesamt scheinen mir die Leute in Totnes etwas unfreundlicher.  Aber bitte nicht falsch verstehen: ich komme aus Berlin, ich bin da ganz andere Sachen gewöhnt...

Ich finde es hier richtig schön und werde versuchen, auch in Berlin wieder etwas häufiger Danke zu sagen. Und sollte ich hier doch mal in den Linksverkehr geraten,  werde ich mich auf jeden Fall bei dem Autofahrer entschuldigen dem ich den Umstand eines Verkehrsunfalls eingebrockt habe. 

9. August 2015

Wochenende am Meer

Am Freitag war ich nach der Arbeit shoppen und auf Totnes Castle. Abends war ich mit anderen Studenten im Pub. Danach ging es nach Marldon.  Am Samstag wollte ich eigentlich zum Marktplatz aber ich kam erst um 13.00 Uhr in Totnes an. Gegen drei bin ich mit meiner Hostfamily ans Meer gefahren.  Haben dort gecampt und sind heute, am Sonntag Zuhause. Die Bilder sind leider etwas unscharf geworden.

Gerade gab es Lunch. Nach dem Campingtrip hatte keiner mehr Lust zu kochen,  also sind wir auf dem Heimweg zu Morrisons gefahren und haben schnell was geholt.  Es gab Pastete,  Brokkoli,  Zuckerschoten,  Ofenkartoffeln und dazu Minzsauce. Ich liebe Minzsauce. Anschließend haben wir dann nur noch vor der Glotze gehangen.
Die anderen Studenten sind heute auf einer Auto Ausstellung in Paignton.  Naja, ich war dann lieber am Meer. Mal schauen was die anderen abends vorhaben.

6. August 2015

Von Totnes nach Dartington

Gestern war ich das erste mal laufen seit ich hier bin. Es hatte den Tag über geregnet und ich entschied mich, auf der Straße nach Dartington zu laufen.  Das sind 1,5 Meilen.  Klingt nicht viel, der Weg ist aber wahnsinnig hügelig.  Und ausserdem wollte ich auch ein wenig die Landschaft genießen.  Nach Feierabend bin ich die Strecke dann heute gewandert.  Diesmal aber am River Dart entlang,  also den Fußweg.  Dass ich diese Strecke jetzt jeden Tag laufen kann, ist unglaublich. Diese Ruhe tut sau gut - vor allem wenn man den ganzen Tag englisch spricht.

Ach ja, der Ghost Walk: War lustig. Sollte aber wohl eher nicht lustig sein. Nein, so schlimm nun auch nicht,  ich war mit zwei Freunden dort und wir hatten unseren Spaß weil der Typ,  der den Walk machte echt ein Parapsycho - Geek ist.  All die übersinnlichen Erlebnisse,  die er aus erster Hand zu erzählen wusste...  Echt herrlich.

Heute treffe ich mich noch mit ein paar anderen Studenten meiner Sprachschule im Pub. Ich freue mich schon auf das Cider. Das ist hier so lecker. Und dazu Fritten mit Essig.  Der Knaller.  Nur die baked beans bekomm ich echt nicht runter.

4. August 2015

Liebe auf den ersten Blick

Mein erster Tag in Totnes war auch gleich mein erster Arbeitstag.  Um 8.00 Uhr ging es los. Ich arbeite in einem Kindergarten am Stadtrand von Totnes.  Weil man mir den Schlafmangel und die Reisestrapazen doch ansah, durfte ich um 12.30 Uhr gehen.  Ich hab mich erstmal hingelegt. Danach ging es gleich ab in die Schule und dann durch die Stadt.

Totnes ist traumhaft schön. Ich kann mich gar nicht satt sehen. Die alten Häuser,  verwinkelten Wege und die grünen Pfade entlang des Flusses.  Die Großstadthektik weicht so langsam der ruhigen und gelassenen britischen Grundeinstellung.

Nach meinem Rundgang gab es Abendbrot. Nudeln mit Soja und Pest. Dazu Salat und Rotwein. Ihr habt es vielleicht schon bemerkt, auch meine Gastfamilie ernährt sich vegetarisch. Später saßen wir dann noch im Garten und haben gequatscht.  Danach war ich noch weg, wieder viel zu spät im Bett und heute wieder auf Schlafentzug.  Aber ich bin ja auch nicht zum schlafen hier. Um 20.00 Uhr nehme ich am Ghost Walk teil,  einem nächtlichen Stadtrundgang mit gruseligen Geschichten.  Ich bin gespannt und werde berichten.


3. August 2015

29,5 Stunden

29, 5 Stunden! Genau so lange dauerte meine Busreise.  Es war grausam.  Die 18 Stunden fahrt (zumindest sollten es nur 18 Stunden sein) bis London starteten wir bereits mit voller Toilette.  Der Bus stank, Müll lag herum. Die Busse von Eurolines sehen ja schick aus, hier wurde aber ein Fremdunternehmen eingesetzt, also: Enge Sitze, kein Strom, kein WLAN,  kein Kaffee.

Nach 1 Stunde mussten sich die Kinder in den Sitzen hinter mir dann auch gleich übergeben - nun ratet mal: Keine Kotztüten da. So ging die Fahrt quer durch Deutschland.  In Holland wechselte dann der Busfahrer,  der neue Fahrer sprach nun endlich deutsch und sogar englisch. Er erfuhr von der, mittlerweile übergelaufenen Toilette und unternahm auch sofort etwas: Er kippte erstmal den Überlauf aus. Auf die Raststätte...  Und weiter.  Abgesehen von fehlendem WLAN und dem nun immer schwächer werdenden Akkus der Telefone,  Tablets etc. wurde die Fahrt nun aber besser. Wir durften bei Halt sogar mal raus. Dann ab durch den Tunnel und tadaaa, Lond- Nein!  Falsch gedacht. Das Radrennen in London legte gestern nämlich ganz London lahm. Alle Brücken waren gesperrt.  Wir fuhren also stundenlang um die Innenstadt herum. Kurz und knapp gesagt: Statt kurzem Sightseeing durch London gab es für mich einen Sprint mit Gepäck aus dem Bus, über die erstbeste Brücke,  einen Park und mehrere Straßen.  Den Anschluß nach Totnes hatte ich jetzt längst verpasst.  Hatte ich erwähnt,  dass ich 2,5 Stunden Zeit in London eingeplant hatte? An der Victoria (Victoria Coach Station)  wurden im Sekundentakt Verbindungen umgebucht,  ich hatte im Nu und wirklich unkompliziert eine neue Verbindung,  sollte mich aber in der Nähe aufhalten.  Also 2 Stunden in der Wartehalle,  war mir auch schon egal. Ich setzte mich vor dem Bahnhof in die Sonne und meditierte.  Kurz hatte ich überlegt in Tränen auszubrechen,  hatte ich ja schließlich nicht mal geschlafen,  meditieren fand ich dann aber doch besser. Und nun das Happy End:

Der Coach nach Totnes kam pünktlich, hatte einen sehr freundlichen Busfahrer und Strom.  Ich lud mein Handy auf, informierte nun endlich meine Gastfamilie über die verspätete Ankunft und schlief ein. In Totnes wurde ich gleich abgeholt,  lag um 1:00 Uhr erschöpft und geduscht in meinem eigenen Zimmer in einem sehr bequemen Bett und schlief bis 6:30 Uhr durch.

Da bin ich nun also. Todmüde aber glücklich startet mein Monat in Totnes.


28. Juli 2015

Vorfreude und Nervosität

Heute ist Dienstag, Samstag geht's los. Ein komisch Gefühl. Ich klicke mich durch meine Pinnwand und kann es kaum erwarten da zu sein.
Die ersten Sachen landen in der Reisetasche, der I-Pod wird vollgepackt bis zur Schmerzgrenze (schließlich fahre ich 23,5 Stunden) und die Fahrt zum ZOB (Zentraler Omnibus Bahnhof) wird geplant. Typisch S-Bahn, dass bis Ende August genau auf der Strecke zum ZOB Schienenersatzverkehr besteht. Gestern habe ich mit meiner Gastfamilie gemailt: sehr nett, unkompliziert und familiär. Für WLAN ist auch gesorgt, ich kann euch also regelmäßig mit Bildern versorgen.

Das Busunternehmen in England begrenzt das Gepäck auf 2 Taschen a 20kg. Gut, meine Ukulele wiegt jetzt nicht so viel aber hey, ich bin immer noch eine Frau: Ich reise natürlich mit viel zu viel Kram!

Gibt es besondere Dinge, die ihr auf jeder Reise mitnehmt?

18. Juli 2015

Reisevorbereitungen

So ein Auslandsaufenthalt will geplant werden. Weil die ganze Vorbereitung aber sehr theoretisch ist, versuche ich mich kurz zu fassen.

Reisekosten
Durch das Erasmus+ Programm sind die Reisekosten gedeckelt, viel ist es aber nicht. Mit Gepäck für einen Monat und einer Vorlaufzeit von drei Monaten blieb mir nur der Bus. Also fahre ich 23,5 Stunden. Mein Abenteuer im Abenteuer.
Falls ihr nach günstigen Tickets sucht: In England heißt das Busunternehmen National Express. In Deutschland lohnt es sich bei regionalen Busunternehmen nach günstigen Tickets zu suchen. Ich habe damit für den gleichen Bus 50% weniger bezahlt als bei dem Busunternehmen selbst.

Unterkunft
Das ging schnell. Die Partner-Schule in Totnes hat alles geregelt. Ich wohne nah bei der Arbeit und werde bei meiner Ankunft abgeholt.  -Thanks Linda!- 

Krankenversicherung
Ich fühle mich einfach wohler, wenn ich für alle Fälle gerüstet bin. Also hab ich eine Reise-Krankenverischerung abgeschlossen.

Und dann dachte ich, es wäre alles geregelt. Dachte ich...!
Wie sehr man sich doch in Kleinigkeiten verlieren kann:

Kulturbeutel - für einen Monat hätte meiner nie gereicht.
Koffer - Weltenbummler im Freundeskreis sind Gold wert.  -Danke Jette!- 
Gastgeschenk - Was bringt man jemanden mit, den man nicht kennt?

Bisher ist mein Eindruck, dass man sehr kreativ sein muss um sich so einen Auslandsaufenthalt leisten zu können, aber es ist möglich. Ich habe zum Beispiel alle meine Payback-Punkte für einen großen Kulturbeutel eingetauscht, einige Klamotten, DVDs und Bücher verkauft und alles, was ich nur für diese eine Reise brauche ausgeliehen.

In genau 2 Wochen steige ich in den Bus. Die To-do-Liste am Kühlschrank wird jeden Tag kürzer. So langsam steigt die Aufregung.